Fleisch

Kein Tarifvertrag im Fleischerhandwerk

Fachkräftemangel selbst gemacht! - Tarifverhandlungen für die Fleischer*innen gescheitert.

Stuttgart, 15. Februar 2024 - Es gibt keinen neuen Lohn- und Gehaltstarifvertrag für das Fleischerhandwerk Baden-Württemberg. Beim dritten Termin in Stuttgart sind die Verhandlungen um höhere Löhne für die rund 27.000 Beschäftigten gescheitert.

Die Arbeitgeberseite verschlechterte am 14. Februar 2024 ihr ohnehin schon unzureichendes Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde und stellte klar, dass sie keinen weiteren Verhandlungsspielraum hätten. 

Uwe Hildebrandt, Verhandlungsführer und Landebezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte beim letzten Termin vor drei Wochen bereits klargestellt, dass ein Angebot von 120 Euro für 2024 und weitere 100 Euro für 2025 bei einer Laufzeit von 24 Monaten aus Sicht der NGG-Tarifkommission völlig unzureichend ist. „Weder die Höhe des Angebots noch die lange Laufzeit ist akzeptabel.“, so Hildebrandt. 

Das die Arbeitgeberseite ihr ohnehin schon geringes Angebot für die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen dann auch noch zurückgenommen hat und nur noch 20 Euro mehr pro Ausbildungsjahr für 2024 und nochmals für 2025 angeboten hat, entbehre jeglicher Vernunft. „Die Betriebe haben seit Jahren große Schwierigkeiten Auszubildende zu finden, jetzt nur plus 20 Euro anzubieten ist empörend.“ Nahezu „dumm“ sei außerdem die Aussage des Verhandlungsführers der Arbeitgeberseite Joachim Lederer, einige Betriebe würden bei höheren Ausbildungsvergütungen nicht mehr ausbilden. „Die Betriebe suchen händeringend neue Auszubildende. Aber fair bezahlen wollen sie sie nicht.“, ärgert sich Hildebrandt. „Auch die Auszubildenden aus Indien – dem Vorzeigeprojekt der Fleischer – wollen fair bezahlt werden.“, ist sich Hildebrandt sicher. „Nur bei fairen Einkommensbedingungen werden sie langfristig dem Fleischerhandwerk erhalten bleiben.“

„Der Ausstieg aus der Tarifbindung führt nicht dazu, dass die Branche attraktiver wird.“, so Hildebrandt. „Seit über 30 Jahren gab es ununterbrochen Lohn- und Gehalttarifverträge im Fleischerhandwerk Baden-Württemberg. Es ist bedauerlich, dass die Arbeitgeberseite dies ohne Not aufgibt. Der Fachkräftemangel wird dadurch noch verschärft.“ 

Es gibt keinen weiteren Verhandlungstermin. Die Verhandlungen sind gescheitert. 

Hintergrundinformationen:
Laut der Handwerkszählung 2021 arbeiten im Fleischerhandwerk Baden-Württemberg 22.281 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 5.010 geringfügig entlohnte Beschäftigte. (Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg)
Der Lohn- und Gehaltstarifvertrag für das Fleischerhandwerk Baden-Württemberg wurde zum 31. Oktober 2023 gekündigt. Die NGG-Tarifkommission hatte eine Tariferhöhung von 325 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten und ein Plus von 150 Euro für die Auszubildenden gefordert.