DEHOGA legt Horrorkatalog zur Arbeitszeitverlängerung vor – Lohnangebot deutlich unter vergleichbaren Abschlüssen der Branche.

Bingen/Stuttgart, 7. Februar 2019 - Die vierte Tarifverhandlung für die Beschäftigten des Hotel- und Gastgewerbes in Rheinland-Pfalz endete am Mittwoch in Bingen ohne Ergebnis. Das Angebot der Arbeitgeber ist völlig inakzeptabel. DEHOGA-Präsident Haumann legte stattdessen einen Horrorkatalog zur Arbeitszeitverlängerung vor. 

Seit dem 1. März 2018 warten die Beschäftigten des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gastgewerbes auf eine Lohnerhöhung. Seitdem ist der Entgelttarifvertrag zwischen DEHOGA und NGG gekündigt. Statt nach 10 Monaten Verzögerungstaktik endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen, fordert DEHOGA-Präsident Haumann gesundheitsgefährdende Arbeitszeitverlängerungen auf 12 Stunden an 6-Tagen in der Woche und eine Verkürzung der Ruhezeit auf 8 Stunden. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten und dient ausschließlich der DEHOGA-internen Profilierung von Herrn Haumann. Wir sind nicht die Steigbügelhalter eines Herr Haumann und lassen uns auch nicht erpressen! 12 Stundenschichten wird es mit NGG nicht geben“, so NGG-Landesbezirkssekretär Alexander Münchow.  

Das angebliche Angebot von bis zu 21% ist eine Mogelpackung, da dies ausschließlich an die DEHOGA-Forderung zur deutlichen Arbeitszeitverlängerung gekoppelt ist. Das „alternative“ Entgeltangebot beträgt im Volumen unter 2 % pro Jahr und liegt somit deutlich unter den vergleichbaren Tarifabschlüssen im Hotel- und Gastgewerbe der angrenzenden Bundesländer. Klaus Schu, NGG-Verhandlungsleiter: „Der DEHOGA-Vorsitzende scheint die Grundrechenarten nicht zu kennen. Der Entgelttarifvertrag für das Hotel- und Gaststättengewerbe Rheinland-Pfalz wurde zum 28. Februar 2018 gekündigt. 10 Monate tarifloser Zustand lässt er in seiner Darstellung für die Presse einfach unter den Tisch fallen. Anstelle von angegebenen 24 Monaten sind es real 46 Monate.“  

„Null Komma Null“ Entgelterhöhung soll es für die Beschäftigten der Bewertungsgruppe 1 geben. Damit würden die Beschäftigten gerade mal auf Mindestlohnniveau bleiben. „Wertschätzung? Sieht anders aus.“ Gerade in Zeiten einer massiven Fachkräftekrise im Hotel- und Gastgewerbe und fehlenden Auszubildenden sind solche Scheinangebote Gift für die gesamte Branche. „Statt die Arbeitsbedingungen immer weiter zu verschlechtern, benötigen wir eine deutliche Aufwertung der Berufe.“ Die Arbeit im Hotel- und Gastgewerbe ist enorm hart und stressig, durchgängiges Stehen, schwer tragen, arbeiten bei Hitze und Kälte sowie psychische Belastungen sind an der Tagesordnung. „Der Gesundheitsschutz darf nicht der Deregulierung und Flexibilisierung geopfert werden“, stellt Klaus Schu klar.  

Die gestrige Tarifverhandlung wurde ergebnislos abgebrochen, die NGG-Tarifkommission hat DEHOGA-Präsident Haumann aufgefordert bis nächste Woche ein verbessertes Angebot im Sinne der Beschäftigten vorzulegen.

Hintergrund:

Forderung NGG-Tarifkommission: Erhöhung der Entgelttarife um 160 Euro für alle und 100 Euro für Auszubildende bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Der Tarifvertrag wurde zum 28. Februar 2018 gekündigt.  

Laufzeit des DEHOGA Angebots: 10 Leermonate, dann Laufzeit drei Jahre = 46 Monate  

Hans-Böckler-Stiftung / Studie zur Arbeitsbelastung im Gastgewerbe: https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_108_2018.pdf