Jeder zweite Azubi im Gastgewerbe schmeißt hin - Gewerkschaft NGG fordert Tarifvertrag zur Verbesserung der Ausbildungsqualität

Stuttgart, 9. April 2018 - Zum wiederholten Male ist das Hotel- und Gastgewerbe trauriger Spitzenreiter bei den Ausbildungsabbrüchen. Nach aktuellen Zahlen brachen 48 Prozent der Köchinnen und Köche und 50,4 Prozent der Restaurantfachleute ihre Ausbildung ab (Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg). 

Die Zahl der abbrechenden Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe ist seit Jahren konstant hoch. „Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, warum das Hotel- und Gastgewerbe trauriger Spitzenreiter bei den Ausbildungsabbrechern ist. Es liegt an der oft nicht ausreichenden Ausbildungsqualität und den meist schlechten Ausbildungsbedingungen.“, so Michael Gutmann, Landesjugendsekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Häufig fehlende Ausbilder lassen daran zweifeln, ob die Betriebe überhaupt die nötige Ausbildungsreife mitbringen oder Auszubildende nur als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Zum anderen übersteigen die Arbeitszeiten von Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe häufig bei weitem das vertraglich vereinbarte Arbeitspensum. Es ist keine Seltenheit, dass Auszubildende im Hotel- und Gastgewerbe bis in die Nacht dutzende Überstunden arbeiten müssen. Das Arbeitszeitgesetz und auch das Jugendarbeitsschutzgesetz werden von den Betrieben oftmals außer Kraft gesetzt und Ruhezeiten nicht eingehalten. Auch ausbildungsfremde Tätigkeiten und die Nichteinhaltung des Ausbildungsrahmenplanes sind leider häufig die Regel. Diese schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen lassen viele Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen. Sie stimmen dann mit ihren Füßen ab. Eine Steigerung der Attraktivität der Ausbildungsberufe und Betriebe ist dringend geboten. Daher fordert die Gewerkschaft NGG eine starke und zügige Verbesserung der Ausbildungsqualität, denn es liegt im Sinne der Auszubildenden und Beschäftigten, das Gastgewerbe zukunftsfähig zu gestalten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert deshalb zur Qualitätsoptimierung der Ausbildung im Hotel- und Gastgewerbe den Abschluss eines Tarifvertrages mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. Folgende Punkte sind aus Sicht der NGG zur Qualitätssteigerung notwendig:

  • Der Betrieb übernimmt Fahrtkosten, die der Ausbildung dienen, zum Beispiel in die Berufsschule.
  • Ab einer gewissen Dauer der Fahrt zum Betrieb muss dem Auszubildenden eine angemessene Personalwohnung in Betriebsnähe gestellt werden.
  • Bei Ausbildungsvertragsabschluss erhält der/die Auszubildende eine verbindliche Zusage für ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung.
  • Die üblichen Ausbildungsmittel, wie Berufskleidung, Küchengeräte, Messer-Sets, Werkzeuge, etc. müssen vom Betrieb gestellt werden.
  • Auszubildenden müssen innerbetriebliche fachspezifische und allgemeine Bildungsmaßnahmen angeboten werden.
  • Auszubildende werden an Prüfungstagen, sowie je drei Tage vor Prüfungen freigestellt, um sich auf diese vorzubereiten.
  • Eine Einhaltung des Ausbildungsrahmenplanes muss gewährleistet, sowie kontrolliert werden.
  • Ausbilderinnen und Ausbilder müssen kontinuierlich an einem Qualifizierungsangebot teilnehmen, um methodisch, didaktisch und pädagogisch zeitgerecht qualifiziert zu sein. Außerdem müssen in jeder Abteilung, falls nicht genügend Ausbilderinnen und Ausbilder vorhanden sind, feste Ausbildungsbeauftragte für die Ausbildung zuständig sein. Diesen Beauftragten muss es zeitlich möglich sein, qualitativ auszubilden.
  • Die Berufsschulzeit muss komplett angerechnet werden und es darf keine Beschäftigung an Berufsschultagen erfolgen, wenn fünf oder mehr Schulstunden stattfinden. In Schulwochen mit Blockunterricht darf der/die Auszubildende weder vor, noch nach einer Schulwoche am Wochenende beschäftigt werden.
  • Den Auszubildenden muss auf würdigem Niveau und mit nötigem Respekt begegnet werden.

„Die Gewerkschaft NGG möchte die Ausbildung und die Berufe im Hotel- und Gastgewerbe verbessern, um den Auszubildenden und Beschäftigten eine gute Zukunft zu bieten. Deshalb fordern wir eine Qualitätsoffensive in der Ausbildung, welche mindestens die genannten Punkte beinhaltet, um die Ausbildungsqualität zu verbessern und die hohe Abbrecherquote zu reduzieren.“ betont Michael Gutmann.

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