Keine Steigerung der täglichen Höchstarbeitszeit auf 12-13 Stunden! - „Diese Forderung ist völlig absurd und gehört in die Steinzeit!“

Stuttgart, 21. November 2018 - Anlässlich der aktuellen Debatte um eine weitgehende Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit, die vor allem durch den DEHOGA befeuert wird und der Tatsache, dass die CDU auf das Thema aufgesprungen ist und „einseitig“ eine Bundesratsinitiative der grün-schwarzen Landesregierung angekündigt hat, ist es erforderlich, die Sicht der betroffenen Beschäftigten in den Mittelpunkt zu stellen. Es darf nicht angehen, dass derartige Diskussionen auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geführt werden.

Das statistische Landesamt verkündet ständig steigende Umsätze in Hotel und Gastronomie, die Belegungszahlen in den Hotels erhöhen sich von Jahr zu Jahr deutlich. Seit Jahren werden Rekordgewinne erwirtschaftet. Das Hotel- und Gaststättengewerbe in Baden-Württemberg boomt. Gleichzeitig fehlen der Branche aber Fachkräfte.  

„Wer nun aber denkt, mit einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen neue Beschäftigte für die Branche gewinnen zu können, verhält sich mehr als naiv. Bereits heute beenden rund 50 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung nicht.“, erklärt Alexander Münchow, zuständiger Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Landesbezirk Südwest. 

Manuel Mandel, Servicemitarbeiter ergänzt: „Wenn der 12-13 Stunden-Tag gesetzlich legalisiert wird, bin ich gezwungen die Branche zu verlassen. Der Druck ist jetzt schon enorm hoch!“

Münchow berichtet des weiteren von einer aktuell noch laufenden Umfrage unter Beschäftigten der Branche. Hierbei kamen bezüglich der DEHOGA-Vorstellungen zur Arbeitszeitflexibilisierung bereits jetzt deutlich ablehnende Rückmeldungen: 

  • „Diese Forderung ist völlig absurd und gehört in die Steinzeit!“
  • „12 Stunden arbeiten ist gesundheitsgefährdend. Ich bin 61 Jahre und schaffe das nicht mehr.“
  • „Das darf nicht passieren, 10 Stunden sind schon schlimm genug, mit diesem ganzen Stress.“
  • „Das ist moderne Sklavenarbeit. Wenn 12 Stunden legal sind, werden es auch mal 14 Stunden, statt bisher 12 Stunden.“
  • „Das geht gar nicht, wir sind doch keine Maschinen.“
  • „Wo bleibt die Erholung, Freizeit und Familie?“
  • „Würde ich nicht machen. Sollen sie doch sehen, wo sie jemanden herbekommen, der das macht.
  • „Ich würde die Gastronomie verlassen.“

Münchow erläutert weiter: „Das Arbeitszeitgesetz sieht eigentlich eine (Regel-)Arbeitszeit von acht Stunden pro Arbeitstag vor. Die aktuelle 10-Stunden-Obergrenze pro Arbeitstag sollte daher sowieso nur die Ausnahme sein. Die vom DEHOGA formulierte Forderung, die tägliche Höchstgrenze der Arbeitszeit von maximal 10 Stunden aus dem Arbeitszeitgesetz zu streichen und die europäische Arbeitszeitrichtlinie als Basis zu nehmen, die eine wöchentliche Betrachtungsweise vorsieht und damit eine tägliche Arbeitszeit von bis zu 13 Stunden möglich macht, schwächt die Branche und ist aus unserer Sicht absolut inakzeptabel.“

„Diese 10-Stunden-Obergrenze im Arbeitszeitgesetz ist dazu da, die Beschäftigten zu schützen. Insbesondere im Interesse des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten sollte auf eine weitere Ausweitung der Arbeitszeit verzichtet werden.“, so Münchow.

Hierzu berichtet Hanna Winter, Hotelfachfrau: „13 Stunden-Tag ist mit dem Gesundheitsschutz nicht vereinbar. Schon jetzt ist die psychische und körperliche Belastung überdurchschnittlich und ich kenne viele Menschen in meinem Umfeld die durch Burn-Out oder Bandscheibenvorfälle ausgefallen sind.“  

Münchow weist ferner darauf hin, dass die Tarifvertragsparteien bereits im Manteltarifvertrag weitgehende Flexibilisierungsmöglichkeiten - im Rahmen der Möglichkeiten des derzeitigen Arbeitszeitgesetzes – geschaffen haben. Mit einer sinnvollen Personalplanung, die jeder andere Betrieb auch machen muss, gibt es genug Arbeitszeitflexibilität im Hotel- und Gaststättengewerbe. Mit einer sinnvollen Personalplanung können auch Hochzeiten und Feste problemlos geplant werden. Kein Fest muss frühzeitig abgebrochen werden. 

„Diese aktuelle Diskussion um eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten und eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes schaden der Attraktivität des Gastgewerbes weiter.“, ist sich Münchow sicher. „Das Gastgewerbe kann sein Image nur mit attraktiven Arbeitsbedingungen, fairen Löhnen, einer hohen Ausbildungsqualität und einer Wertschätzung der Arbeit der Beschäftigten verbessern. 10 Stunden sind genug! Es darf keine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes geben!“   

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