Trauriger Rekord in Rheinland-Pfalz: 14 Monate tarifloser Zustand im Hotel- und Gaststättengewerbe des Landes!

Mainz/Stuttgart, 23. April 2019 - Seit dem 1. März 2018 warten die Beschäftigten des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättengewerbes auf eine Entgelterhöhung. Seit diesem Zeitpunkt ist der Entgelttarifvertrag zwischen dem Arbeitgeberverband im Hotel- und Gaststättengewerbe Rheinland-Pfalz (DEHOGA) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gekündigt. Etliche Verhandlungsrunden, die teilweise von lautstarken Protesten der Beschäftigten der Branche begleitet waren, haben bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt. 

Der DEHOGA hatte zuletzt ein Angebot für eine Entgelterhöhung von jeweils unter 2% in den nächsten 3 Jahren gemacht. Dies liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt der Tarifgebiete im Hotel- und Gaststättengewerbe. Einige Gruppen sollen gar nicht erhöht werden, so zum Beispiel die Einstiegsgruppe, die Bewertungsgruppe 1. Damit würden die Beschäftigten dort auf Mindestlohnniveau bleiben. Der DEHOGA macht nur für den Fall ein verbessertes Angebot für eine Entgelterhöhung, wenn NGG einer Arbeitszeitverlängerung auf bis zu 12 Stunden am Tag an bis zu 6 Tagen in der Woche zustimmt und gleichzeitig eine Verkürzung der Ruhezeit von 10 auf 8 Stunden mitträgt. Dazu Klaus Schu, Verhandlungsleiter für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Rheinland-Pfalz: „Wir opfern nicht die Gesundheit der Beschäftigten der Branche auf dem Altar der Tarifpolitik. Statt die Arbeitsbedingungen immer weiter zu verschlechtern, benötigen wir dringend eine deutliche Aufwertung der Berufe im Gastgewerbe und auch eine angemessene Wertschätzung.“
 
Klaus Schu kritisiert, dass sich der DEHOGA mittlerweile mehr mit sich selbst als mit den Problemen der Branche beschäftige. Es laufe eine Klage gegen die quasi „lebenslange“ Bestellung des Präsidenten Haumann. Der wiederum habe alle Mühe, sein Supergehalt von knapp 300.000 € im Jahr zu rechtfertigen. Kritische Stimmen im Verband würden mundtot gemacht oder gleich aus dem Verband ausgeschlossen. 

Die Gewerkschaft NGG setzt derweil auf den Abschluss von Haustarifverträgen. Dazu der Verhandlungsleiter der NGG: „Haustarifverträge sind für die NGG nur die zweitbeste Lösung, aber derzeit die einzige Möglichkeit, den Beschäftigten zu ihrer verdienten Entgelterhöhung zu verhelfen. Zum 1. Juni 2019 steigen beispielsweise die Entgelte für die Beschäftigten des Ferienparkbetreibers Landal GreenParks um 3%. Hier konnten wir eine Erhöhung vereinbaren, wie sie auch im sonstigen Bundesgebiet üblich ist.“ Der Gewerkschafter rechnet damit, dass es in naher Zukunft zu weiteren Haustarifabschlüssen kommen wird.

Die NGG fordert den Arbeitgeberverband DEHOGA abermals auf, mit einem verbesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukommen. Die Forderung von NGG bleibt: 160 € mehr in der Lohntüte und 100 € für die Azubis der Branche.