NGG warnt vor „Spardiktat“ bei Unilever: Heilbronner Werk auf dem Prüfstand

Heilbronn, 31. Juli 2017 - Der Übernahme-Poker um Unilever geht weiter. Im Heilbronner Werk des Konzerns könnte deshalb ein Teil der 1.100 Arbeitsplätze gefährdet sein. Davor hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gewarnt. Mit neuen Sparmaßnahmen wolle Unilever seine Bilanz für internationale Investoren „aufpolieren“. Eine Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Beschäftigten werde gegen den Willen von Betriebsrat und Gewerkschaft jedoch nicht zu machen sein, sagt Burkhard Siebert von der NGG Heilbronn.

Nach Informationen des Vorsitzenden des Konzernbetriebsrates, Hermann Soggeberg, will das Unternehmen die Lohnkosten aller seiner bundesdeutschen Produktionsstandorte drastisch senken. „In Heilbronn wurde der Standortsicherungsvertrag gekündigt. Die Sorge unter den Beschäftigten ist groß“, so Soggeberg. Darüber hinaus drohten deutliche Verschlechterungen bei den Sozialleistungen. Der Konzern wolle den vereinbarten Sozialkatalog, der unter anderem Zahlungen im Krankheitsfall vorsehe, kündigen. Außerdem plane Unilever ein Outsourcing des Lagers.

Im Heilbronner Werk, dem größten im deutschsprachigen Raum, stellt das niederländisch-britische Unternehmen verschiedene Produkte der Marke Knorr her. „1.100 Menschen machen hier jeden Tag einen wichtigen und guten Job. Sie dürfen nicht zu Marionetten im Investoren-Poker werden“, betont Burkhard Siebert. Die NGG werde sich gegen die geplanten Sparmaßnahmen massiv zur Wehr setzen und sich gemeinsam mit den Betriebsräten für den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland stark machen.

Für den morgigen Dienstag ist in Hamburg eine zentrale Betriebsversammlung mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, der NGG-Vorsitzenden Michaela Rosenberger sowie dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann geplant, zu der alle Unilever-Standorte zugeschaltet werden.

Zum Hintergrund: Im Februar hatte Unilever ein Fusionsangebot der Kraft Heinz Company in Höhe von 143 Milliarden Dollar zurückgewiesen. Im April kündigte der Konzern an, den Gewinn bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent erhöhen zu wollen. Außerdem soll das Margarine-Geschäft verkauft und die Dividende um zwölf Prozent gesteigert werden. „Unilever will sich offenbar für ein neues Übernahmeangebot fit machen“, ist Siebert überzeugt.

Unilever ist mit einem Umsatz von zuletzt 53 Milliarden Euro einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern weltweit. Im deutschsprachigen Raum beschäftigt der Konzern rund 5.000 Mitarbeiter an elf Standorten. Zwischen Hamburg und Wien laufen unter anderem die Marken Knorr, Magnum, Lätta und Dove vom Band.