Schäfer Dein Bäcker GmbH & Co. KG: „Müssen sich gestandene VerkäuferInnen bei Schäfers von Kids duzen lassen?

Bäckereifilialist führt neue Namensschilder ein und wünscht nun, dass sich alle duzen!

Frankfurt, 22. November 2017 - Schäfer Dein Bäcker GmbH & Co. KG in Limburg, einer der aufstrebenden Filialbäcker in Hessen mit ca. 800 Beschäftigte hat gerade neue Namensschilder nur für die Filialbeschäftigten eingeführt. „Das sorgt für großen Unmut, insbesondere unter den VerkäuferInnen“, so Peter-Matin Cox, Geschäftsführer der zuständigen Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) fürs Bäckerhandwerk Hessen. Anstatt „Es bediente Sie gerne: Frau Mustermann“, heißt es nun auf dem Namensschild: „Es bedient Dich gerne: Angelika Mustermann“.

„Das Thema neue Namensschilder wird zurzeit heiß in den Filialen diskutiert“, so Cox. Beschäftigte wollen ihr altes Namensschild weiter tragen und fragen bei der NGG nach, ob es dann Ärger gibt. Denn wer will sich schon von jedem/ von jeder „duzen“ lassen. Es gäbe jetzt schon Kunden, die sich grenzwertig verhalten, so äußern sich VerkäuferInnen gegenüber der NGG. Die Sorge: Diese Kunden könnten sich nun noch mehr ermutigt fühlen, sich respektloser zu verhalten. Unter den VerkäuferInnen wird darüber lebhaft diskutiert, ob die Ablehnung des neuen Namensschildes und das Tragen des alten Namensschildes Arbeitsverweigerung wäre. 

Vor dem Austeilen der Namensschilder wurden die Beschäftigten vom Chef höchst selbst schriftlich informiert. Darin bietet er allen Beschäftigten das „DU“ an und wünscht sich, dass „wir uns im Unternehmen alle gegenseitig duzen“. Es liegt der NGG vor. Mit diesem Schreiben wird das „DU“ nach innen und außen gewünscht. 

Aber mit dem „Wünschen“ ist es offensichtlich so eine Sache. Ein Wunsch ist keine arbeitsrechtliche Verpflichtung, muss also nicht befolgt werden.  

„Aber welchen Eindruck hinterlässt es, wenn eine Kollegin das neue Namensschild trägt, die andere nicht. Und wie sieht der es der Vorgesetzte?“, fragt Cox. 

„Diese Diskussion bräuchte gar nicht stattfinden“, so Cox, „hätte Schäfer Dein Bäcker einen Betriebsrat.“ Dieser müsste einer solchen Maßnahme erst zustimmen. Ohne den Betriebsrat geht nichts. Wenn er sich im Interesse der Beschäftigten weigert, müsste der Arbeitgeber die Einigungsstelle anrufen. Diese Einigungsstelle tagt im Betrieb und vermittelt zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. 

Aus juristischer Sicht stellt sich das Problem so dar: „Hier kann das Persönlichkeitsrecht des Beschäftigten beeinträchtigt werden, wenn das Tragen des neuen Namensschildes verpflichtend wäre: Hierbei befürchten häufig Beschäftigte, insbesondere mit selten vorkommenden Namen, dass ihre vollständigen Namen anhand öffentlicher Telefonbücher oder über eine Suchmaschine im Internet mit der Privatanschrift verbunden und sie gegebenenfalls belästigt werden können. Insoweit sollte der Arbeitgeber es den Beschäftigten freistellen, ob der vollständige oder nur der Nachname auf dem Namensschild angebracht wird, so rät jedenfalls Falk Schirmacher von der Rechtsabteilung der NGG dem Arbeitgeber Schäfer Dein Bäcker. „Soweit eine derartige Freistellung vom Tragen des neuen Namensschildes abgelehnt wird, können sich Beschäftigte auf ihr Widerspruchsrecht nach § 35 Absatz 5 BDSG berufen“, so Cox. „Aber wer traut sich das schon?“

Schäfer Dein Bäcker begründet zum einem das Tragen des neuen Namensschildes damit, dass dies zur Teambildung beiträgt. Nur von der Teambildung sind nicht alle davon betroffen, wie Cox von Beschäftigten weiß. Fahrer, die die Filialen beliefern und die Beschäftigten in der Produktion sind davon ausgenommen! „Müssen die nicht auch im Team arbeiten?“ fragt Cox. „Nicht nur in der Produktion muss es Hand in Hand gehen, sondern auch an der Schnittstelle Filiale/ Anlieferung!“ 

Aus Sicht der NGG zeigt sich daran, dass die neuen Namensschilder eher ein PR-Gag ist. Wenn die Anrede mit dem „DU“ des Weiteren damit begründet wird, dass sich die Gesellschaft wandelt“, fasst Cox aus seiner Sicht die Kernbotschaft zusammen, „so stellt sich doch die Frage, ob ein solcher Wandel richtig ist und ob eine solche Entwicklung noch verstärkt werden soll!“ 

Zwar spricht man in dem Schreiben an die Mitarbeiter auch davon, dass damit nicht „die Grenzen zu distanzloser Kumpanei überschritten werden sollen“, aber genau das befürchten nicht wenige VerkäuferInnen, die nun mit dem Vornamen von den Kunden angesprochen werden können! Möchte das jeder/jede?“, fragt Cox.